Jahresbericht 2016/2017

Sehr geehrte Vereinsmitglieder
Werte Sympathisanten und Interessierte
Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist nun bereits das zweite Mal, dass ich Ihnen eine Zusammenfassung geben darf über das Vereinsgeschehen während eines Jahreszeitraums. Und wie ich feststellen kann, zeigen sich laufend neue Facetten unserer Grundthematik. Während vor ein paar Jahren die  Zimänti Süd über allem stand, werden zunehmend auch andere Themen manifest. Es zeigen sich laufend andere Zusammenhänge, welche unsere Wohn- und Lebensqualität beeinflussen und uns auffordern, über deren Definition nachzudenken. Ist es vor allem die absolute Ruhe und Stille, welche das Wohlfühlen ausmachen? Oder sind ebenso andere Faktoren ausschlaggebend: Intakte Infrastruktur, Arbeits- und Bildungsangebote, Kultur, Freizeit, etc.?

Ich persönlich bin der Ansicht, dass es eine gute und ausgewogene Mischung ist, welche uns letztendlich diese Qualität bietet. Vor einigen Jahren meinte ein Behördenvertreter auf unsere Kritik an der möglichen zukünftigen Präsenz eines Verschrottungsbetriebs, dass kein einziger Bürger absolute Grabesstille für sich beanspruchen dürfe. Eine gewisse Störung müsse eben schon hingenommen werden. Klar. Hätte ich denn diesen Anspruch, wäre ich wohl schon längst auf eine Alp gezogen. Aber müssen wir um jeden Preis Lärm und Verkehr herholen?

Nun, diese Gedankengänge könnte man beliebig weiterspinnen und sie in philosophische Höhen treiben. Zum Glück sind wir aber keine analytischen Denker, sondern lediglich Pragmatiker.

In den beinahe neun Jahren der Existenz des Vereins Wohnqualität Thayngen hat der Vorstand gelernt, wo hinzuschauen ist, wann wer zu kontaktieren ist. So auch in den 12 Monaten seit unserer letzten Jahresversammlung.

Zwar hatten wir lediglich 4 Vorstandssitzungen. Diese dienten in erster Linie der Findung eines gemeinsamen Konsenses. Die eigentliche Arbeit findet in Delegation und teilweise in bilateralen Sessionen statt; jeder fasst eine Aufgabe, welcher er (und ich muss leider in der Maskulin-Form reden, da wir im Moment keine Frau im Vorstand haben) nachgeht. Daraus entstehen Resultate.

So ist der Schreibende in eigentlichem Dauerkontakt mit den Behörden. Ich glaube, dass alle Beteiligten mittlerweile gemerkt haben, dass nicht Vermutungen und Verdächtigungen das Zusammenleben fördern, sondern der stete Dialog.

Anlässlich der letztjährigen Jahresversammlung vom 24. Mai 2016 durften wir als Gastreferenten Kantonsingenieur Dino Giuliani begrüssen. Er sprach über die Entwicklung der J15 zur Nationalstrasse. Die Informationen, welche wir daraus beziehen konnten, waren gewissermassen ein Primeur; die Bevölkerung erhielt nämlich erst Anfang dieses Jahres Einblick in die Details dieser Langzeitplanung. Dies mittels eines grösseren Beitrags in der Tagespresse.

Themenbereiche

Zimänti Süd: Hier herrscht zurzeit Stand-by. Im Areal wird gearbeitet. Die provisorische Bewilligung des Kantons zur Lagerung von 10‘000 Tonnen wird ausgelotet und teilweise überschritten… Die Lastwagenfahrten sind auf sehr hohem Level und entsprechen denjenigen Zahlen, welche  im seinerzeitigen Umweltverträglichkeitsbericht UVP für den Vollbetrieb prognostiziert sind. Dabei ist das gegenwärtige Geschehen nur Vorgeplänkel. Neben dem Umschlag und der Lagerung von allerlei Recyclingmaterial werden offensichtlich auch logistische Dienstleistungen offeriert. Zum Beispiel Zolldeklarationen: die 40-Tönner quälen sich durch die Wohnquartiere zum Kesslerloch, um dort einen Zollschein abzugeben. Auch erhalten diverse Brummis “Asyl” während der Fahrverbote über Nacht und an Wochenenden. Und immer geht es hin und her über die Quartierstrasse.

Der Quartierplan hängt derweil noch immer beim Kanton. Wann er beurteilt zurückkommt, weiss man offensichtlich nicht. Wir sind jedoch gewappnet: Unsere juristischen Messer sind gewetzt! Die Diskrepanz zwischen volkswirtschaftlichem Nutzen und dem Schaden für die Dorfgemeinschaft ist hier erheblich. Soviel können wir sagen: Die Sache wird noch nicht so bald erledigt sein.

Bahnhof Thayngen: Der Umbau ist eigentlich abgeschlossen. Das Ergebnis darf sich sehen lassen. Das Wort “eigentlich” impliziert allerdings auch eine gewisse Relativierung. So geht die lärmreiche Bauerei munter weiter. Niemand scheint genau zu wissen, was genau noch zu tun ist und wie lange es noch dauern soll. Gemäss Auskunft des Gemeindepräsidenten hat hier die DB eine gewisse Eigendynamik entwickelt – Informationen sickern nur spärlich durch.

Dass in absehbarer Zeit auch die Bahnüberführung erhöht werden soll, lässt aufhorchen. Es ist zu hoffen, dass dieses Projekt geordnet abläuft und nicht zur Endless-Story verkommt.

Sanierung der Kesslerlochbrücke J15: Aufgeschreckt durch die Pressemeldung haben sich besorgte und verunsicherte Anwohner an den Schreibenden gewandt; während Monaten und über die Hauptreisesaison soll sich die Blechlawine durch die Wohnquartiere Thayngens quälen. Man sorgt sich beispielsweise um die Sicherheit der Schulkinder, welche sich auf denselben Verkehrswegen bewegen müssen. Meine Anfrage bei den Verantwortlichen des Kantons hat allerdings nichts Greifbares zutage gefördert. Erst hiess es, der Auftrag sei noch nicht vergeben und das detailierte Verkehrskonzept würde vom betreffenden Unternehmer erarbeitet und kommuniziert. Vor kurzem nachgehakt, kriegte ich nochmals dieselbe Geschichte zu hören. Ich habe den Gemeinderat gebeten, hier das Maximum für die betroffenen Bürger rauszuholen und werde sicher noch einmal vorsprechen. (hier gibt es inzwischen erfreuliche Neuigkeiten, siehe Artikel “Keine Verkehrssperrung”)

Durchgangsverkehr Ebringerstrasse: Für die dortigen Anwohner scheint sich die Angelegenheit allmählich zum Albtraum zu entwickeln. Nicht mehr nur in der Schweiz arbeitende Grenzgänger zirkulieren hier. Längst haben auch andere, von den Staus am Hauptzollamt frustrierte Reisende hier eine (scheinbar) passende Alternative gefunden. Zudem trägt auch der ewig günstige Eurokurs dazu bei, dass kostenbewusste Schnäppchenjäger hier durchmüssen.

Wie ich aus dem Gemeindehaus erfahren habe, ist man dort jetzt entschlossen, für Abhilfe zu sorgen. Ich denke, in nächster Zeit wird man mehr hören.

Quartierplan Schenebüel: Insider wissen es: Hier gibt es noch einige tausend Quadratmeter erschlossenes Bauland, welches brachliegt. Den Anstoss zu einer Quartierplanung haben nun die Eigentümer des schmucken Einfamilienhäuschens der Kalkfabrik Thayngen gegeben; das Bauland soll nun – entsprechend dem Status der umgebenden Parzellen – in die Kategorie W 50 aufgezont werden. Der Schreibende ist in Kontakt mit den Landeigentümern, und wir schauen einer gewiss spannenden Planungsphase entgegen, welche auch über die besagte Parzelle hinausreichen könnte. Hier gibt es gewiss bald Neues zu vernehmen.

Interessant ist, dass nun ausgerechnet angrenzende Industrielandbesitzer Einsprache erhoben haben. Vermutlich aus Angst, Wohnen könnte den Schrottlärm stören… Hier gilt es sicherlich sehr bald Farbe zu bekennen: Was trägt mehr zur Entwicklung von Thayngen bei – Schrott oder Wohnraum? Denn: Bauwilligen Investoren rollen andere Gemeinden den roten Teppich aus.

Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit der Wohnqualität ist die langfristige und nachhaltige Energieplanung. Wir konnten erleben, dass die Schweizer Stimmbürger das entsprechende Gesetz vor zwei Wochen mit sehr grosser Deutlichkeit angenommen haben. Nicht so die Thaynger: Sie haben die vom Bundesrat ausgearbeitete Vorlage wuchtig niedergeschlagen. Ich habe über mögliche Gründe nachgedacht. Ist es die ausgeprägte hiesige Sparsamkeit, welche bisweilen in Verarmungsangst ausarten kann, ist es die Furcht vor schrecklichen neuen Windmühlen, welche wie Damoklesschwerter über unseren Häuptern zu schweben scheinen, ist es der Durst nach der Freiheit, immer mehr Energie verschwenden zu dürfen – oder sind wir ganz einfach ein Volk von Warmduschern…?

Wie auch immer, Energie bleibt wichtig, und Energie wird teurer, ob wir das wollen, oder nicht.

Unsere neue Homepage: Diese ist nun bereit und kann angeklickt werden. Sie ist unser Vehikel, um auf dem Radar der aktuellen Zeit zu sein und zu bleiben.

Zum Schluss bleibt mir zu danken:

  • Den Vorstandskollegen für die Unterstützung in allen Situationen und die Ausführung der immer wieder aufgegebenen Hausaufgaben.
  • Mein spezieller Dank gilt einmal mehr meinem Vizepräsidenten Aldo Künzli. Er darf zweifellos als Experte auf den für uns relevanten Gebieten bezeichnet werden, bleibt hartnäckig dran und lässt niemals Fünfe grad sein – Lehrer bleibt eben Lehrer – pensioniert hin oder her. Sein Support ist essentiell.
  • Andreas Schiendorfer: Er hat zusammen mit seinem Sohn Sebastian die Homepage so gestaltet und publiziert, wie sie sich heute darstellt.
  • Ihnen, den Vereinsmitgliedern, Interessierten und Sympathisanten; ohne Sie können wir nichts ausrichten, genau nach unserem Motto «Wir schauen genau hin!»

Thayngen, im Mai 2017, Paul Ryf